Schloss Habsburg und die Habsburger
Dass zuoberst auf dem Wülpelsberg bei Brugg ein Schloss steht, ist der Sage nach einem Habicht zu verdanken. Hier wurde nämlich ein Habicht wiedergefunden, der zuvor seinem Herrn, dem Grafen Radbot, entflogen war.
Genau hier soll Radbot um 1020 die Habichtsburg errichtet haben, die später Habsburg genannt und zum Namensgeber der Familiendynastie wurde. Der Erste, welcher sich Graf von Habsburg nannte, war Otto II. im Jahr 1108. Der Rund- und Weitblick auf dem Wülpelsberg nahe dem Wasserschloss – dem Zusammenschluss von Aare, Reuss und Limmat – ist herausragend.
Das Schloss Habsburg wurde von den Habsburgern bis etwa 1220/30 selbst bewohnt und danach an Dienstadlige verliehen. 1415 ging die Habsburg im Zuge der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen für die Habsburger – unblutig – verloren.
Das Schloss erlebte in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche Besitzerwechsel und sein Zustand verschlechterte sich zunehmend. Seit 1804 gehört es dem Kanton Aargau, der seither mehrere Renovationen durchführte.
Spuren der Habsburger heute
Was heute noch steht, ist die hintere Burg, die einst von Dienstadligen bewohnt wurde, Teile der südlichen Ringmauer sowie im früheren Burghof der (natürlich gesicherte) einst 58,5 Meter tiefe Sodbrunnen. Im Wesentlichen stehen noch der grosse Wohnturm und der Palas mit Hofmauer und Innenhof. Es muss im Winter sehr ungemütlich gewesen sein, zumal so ein Riesenbauwerk kaum zu beheizen war.
Die Habsburg galt gleichwohl in ihrer hohen Zeit als eine der modernsten Burgen Europas. Sie wurde mit neusten Besonderheiten ausgerüstet, etwa mit Latrinenschächten, wobei die Latrinen über keine Türen verfügten.
Beim Schlosseingang prangt heute noch das habsburgische Wappen. Die Habsburger-Dynastie erinnert sich offenbar gern an ihren einstigen Stammsitz: 1815 besuchte der erste österreichische Kaiser Franz I. die Habsburg. Und der 2011 verstorbene Sohn des letzten Kaiserpaars Karl I. und Zita, der Europaparlamentarier Otto von Habsburg, war sogar oft auf der Burg zu Gast.
An einem Gedenkakt anlässlich des 900-Jahr-Jubiläums der Habsburger in Königsfelden im Jahr 2008 nahm allen voran Rudolph von Habsburg, Ottos Bruder, teil. Gespiesen wurde danach auf Schloss Habsburg. Otto von Habsburg selbst schrieb damals in einem Text: «Wir sind ja eigentlich Aargauer.»
Auf dem Habsburger Königsweg ist auf einem Rundgang durch die Burganlage an sechs Audiostationen vieles über den Aufstieg der Habsburger zur Weltmacht zu erfahren. Und wer will, kann mit einer auf der Habsburg gratis ausleihbaren Spezialbrille einen spannenden und sehr lohnenswerten virtuellen Rundflug über das einst viel grössere, imposante Schloss machen. Ein Tipp: Setzen Sie sich vor dem Rundflug unbedingt hin, damit Ihnen nicht schwindelig wird.