Laufenburg und die Habsburger
Auf dem Boden der heutigen Landstadt Laufenburg weisen neuere Funde die 3000 Jahre alt sind, auf eine spätrömische Siedlung hin. In der Römerzeit ist ein Handwerkerdorf und ein Wachtturm der befestigten Rheingrenze nachgewiesen. Lange nachdem die Römer weg waren und an deren Stelle Alemannen die Gegend besiedelt hatten, kam diese in den Besitz des Klosters Säckingen. Als Schutzmacht setzte das Kloster den Grafen von Lenzburg ein.
Die Lenzburger errichteten auf einer Anhöhe bei den Stromschnellen («Louffen») am Rhein eine Burg, um die dortige Siedlung zu schützen. Als die Lenzburger 1173 ausstarben, übertrug Kaiser Friedrich I. – seines roten Bartes wegen Barbarossa genannt – die Schirmvogtei über das Reichsfrauenstift Säckingen an die aufstrebenden Habsburger.
Um 1200 begann Graf Rudolf II. von Habsburg und Herzog von Laufenburg – Grossvater von König Rudolf I. – zu beiden Seiten des Rheins (hier war er nur 12 Meter breit, ideal für eine Brücke) mit dem Bau der Stadt Laufenburg. Er gilt als ihr Gründer. Die Fürstäbtin klagt gegen die Eigenmächtigkeit des Grafen. 1207 sprechen sechs Äbte Recht: Bestätigt wird der Bestand der Brücke. Noch vor Basel und beide Burgen. Grund und Abgaben bleiben bei Säckingen. Die Stadt darf aber mit Auflagen weiter gebaut werden.
Nach seinem Tod 1232 teilten seine Söhne Albrecht IV. und Rudolf III. das Erbe. Rudolf erhielt Laufenburg und wohnte fortan in der Burg. Als Stammvater der Linie Habsburg-Laufenburg baute er die Stadt aus.
Diese Linie agierte deutlich weniger erfolgreich als die Nachfolger von Rudolfs Bruder Albrecht – sie musste nach und nach ihre Rechte und ihren Besitz verkaufen. 1386 verkaufte Graf Hans IV. gar Laufenburg selbst an die ältere Habsburger Linie. Er durfte die Stadt jedoch auf Lebzeiten als Lehen behalten.
Nach seinem Tod 1408 war dann endgültig die Linie Habsburg-Österreich am Ruder. Einige Jahrzehnte später zerstörte 1479 ein verheerender Stadtbrand 130 Häuser. Schwere Zeiten erlebten die Stadt und das Fricktal auch im Dreissigjährigen Krieg ab 1633: Laufenburg wurde wiederholt von den Schweden erobert und wieder zurückerobert, die Burg beschädigt. Die Stadt blieb aber habsburgisch.
Turbulenzen gab es auch nach der Französischen Revolution: 1797 wurde das Fricktal französisches Protektorat. Im folgenden Krieg zwischen Frankreich und Österreich wurde die Brücke zerstört. 1802 war für die Stadt ein Schicksalsjahr: Der rechtsufrige kleinere («mindere») Teil der Stadt ging ans Grossherzogtum Baden und der linksufrige grössere («mehrere») Teil wurde Hauptort des neu gegründeten, kurzlebigen Kantons Fricktal, der sich der Helvetischen Republik anschloss.
1803 gliederte Napoleon mit seiner Mediationsakte das Fricktal dem von ihm neu begründeten Kanton Aargau ein.
Spuren der Habsburger heute
Nach 600 Jahren unter den Habsburgern begegnet man deren Erbe auf Schritt und Tritt. Die Altstadt ist sehr gut erhalten. Dafür gab es sogar 1985 den Wakkerpreis, der Gemeinden auszeichnet, die bezüglich Ortsbild- und Siedlungsentwicklung besondere Leistungen vorweisen können.
Von der einst mächtigen Burg steht allerdings nur noch der Haupt- oder Wehrturm. Er ist als ältestes Bauwerk der Stadt über eine Aussentreppe zugänglich. Der Blick von dort oben ist sehr lohnenswert.
Zu sehen sind auch weitere Stadttürme und Reste der Stadtmauer, ebenso das alte Zeughaus, das Rathaus (ehemaliges Spital), Brunnenanlagen und weitere Gebäude. Einen Besuch wert ist zudem die barocke Stadtkirche St. Johann mit ihrer Totenkapelle. Die Kirche ist frei zugänglich, die Kapelle jedoch nur mit Führung. Besonders sehenswert – ebenfalls nur mit Führung – ist der Saal des Bezirksgerichts: Heute noch dominieren riesige Porträts des Kaiserpaars Maria Theresia und Franz I. Stephan von Lothringen und ihres Sohnes Kaiser Joseph II. den Saal. Über der Eingangstüre prangt eine habsburgische Wappentafel des Kaisers Matthias von 1614. In der Herrengasse hängen draussen einträchtig eine Schweizer und eine Aargauer Fahne sowie das Stadtwappen: der Habsburgerlöwe.