Schloss Lenzburg und die Habsburger
Dass an diesem Ort eine Burg steht, ist erstmals im Jahr 1077 urkundlich erwähnt. Die Grafen von Lenzburg hatten hier einen herrschaftlichen Wohnturm gebaut. Nach deren Aussterben kam als Testamentsvollstrecker niemand Geringerer als Kaiser Friedrich I. – seines roten Bartes wegen auch Barbarossa genannt – auf das Schloss. Dieser verteilte auf dem Schloss das Erbe der Lenzburger, das grösstenteils an seinen Sohn Otto ging. Nach dessen Tod ging die Lenzburg in die Hände der mächtigen Kyburger über. 1263 erlosch jedoch auch dieses Geschlecht.
Rudolf IV., Graf von Habsburg (der spätere König Rudolf I.), erwarb die Lenzburg 1273 und hielt hier 1275 einen Gerichtstag ab. 1306 verliehen die Habsburger dem gleichnamigen Städtchen am Fuss des Schlosses das Stadtrecht. Unter den Habsburgern bzw. ihren Dienstleuten wurde die Lenzburg ausgebaut.
Bitter endeten die Hochzeitspläne von Herzog Friedrich II. mit der Tochter des englischen Königs Edward III.: Er begann dafür den Bau des prächtigen Ritterhauses, doch Friedrich II. starb 1344, ohne das Haus vollendet und ohne seine künftige Frau je zu Gesicht bekommen zu haben.
Schliesslich zog die habsburgische Dienstadelsfamilie Ribi-Schultheiss ein, die das Gebiet im Namen der Habsburger verwaltete. In diese Zeit fielen die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Eidgenossen. Die Macht der Habsburger in ihren Stammlanden bröckelte nach verheerenden Niederlagen.
Schloss Lenzburg gehörte den Habsburgern keine 150 Jahre lang. Als 1415 die Berner den nachmaligen Berner Aargau eroberten, kapitulierte die Stadt Lenzburg ohne Blutvergiessen.
In den Besitz des Schlosses gelangten die Berner aber erst später. Hier residierten bis zum Untergang der Alten Eidgenossenschaft ihre Landvögte. Einer von ihnen, Adrian von Bubenberg, wurde 1476 in den Burgunderkriegen berühmt als der Verteidiger von Murten. Im Dreissigjährigen Krieg wurde die Festung verstärkt und im Bauernkrieg 1653 setzten die Berner hier gefangene Bauernanführer in Haft.
1798 übergab der letzte bernische Landvogt das Schloss kampflos den anrückenden Franzosen. 1803 ging es an den neu gegründeten Kanton Aargau und es wurde darin eine private Knabenschule eingerichtet. Später hatte das Schloss verschiedene private Besitzer, unter ihnen ein vermögender Deutscher. Einer seiner Söhne, Frank Wedekind, wurde ein berühmter Schriftsteller. Seit 1956 gehört es über eine Stiftung dem Kanton Aargau und der Stadt Lenzburg.
Spuren der Habsburger heute
Am Schloss Lenzburg haben während 900 Jahren viele Generationen und verschiedene Besitzer gebaut und es erweitert (Stapferhaus, Landvogtei usw.). Mehrere Gebäude wurden durch Brände zerstört, wie etwa der aus der Habsburgerzeit stammende Vorgängerbau der Landvogtei. Palas und Turm stammen noch aus der Zeit der Lenzburger. Der wohl bedeutendste Bau der Habsburger ist das Ritterhaus.
Als Dachreiter des Landvogtei-Schlosses grüsst ein Drache jüngeren Datums. Der Sage nach soll der Schlossberg nämlich einst einem Drachen gehört haben. Zwei mutige Ritter – die späteren Grafen von Lenzburg – besiegten ihn. Daran knüpft das Museum Aargau mit dem zischenden und rauchenden „Fauchi“ an: in seiner Höhle im Schloss ein unwiderstehlicher Anziehungspunkt für Kinder.