Hier wurde König Albrecht I. ermordet – seine Witwe gründete zu seinem Gedenken ein Kloster
Kloster Königsfelden und die Habsburger
Am 1. Mai 1308 wurde in der Nähe des Reussübergangs in Windisch der römisch-deutsche König Albrecht I. von Habsburg von seinem Neffen Herzog Johann von Schwaben ermordet – dieser hatte sich von seinem Onkel ums Erbe betrogen gefühlt.
Albrechts Witwe Elisabeth von Görz und Tirol gründete daraufhin zuerst am Ort der Tat eine Gedächtniskapelle, dann ein Kloster als habsburgischen Erinnerungsort. Nicht zufällig also bekam es den Namen Königsfelden.
Die Stiftungsurkunde für das Kloster stammt von 1311. Es entstand ein Doppelkloster – das einzige dieser Art in der Schweiz –, und zwar für Franziskaner (1311) und Klarissinnen (1312). Elisabeths und Albrechts Tochter Agnes, Witwe des ungarischen Königs Andreas III., machte 1316 das Kloster zu ihrem Lebensmittelpunkt. Das Gelübde legte sie nie ab, doch sie wirkte dort fast 50 Jahre und baute die Klosterkirche fertig. Von 1320 bis 1360 kamen die berühmten Glasfenster dazu. Diese machen die Klosterkirche zu einer eigentlichen christlichen Gedächtnisstätte für die Habsburger.
Agnes war vielfältig tätig, so etwa als Beraterin und Vertreterin ihrer Brüder sowie der Habsburgerfamilie, zudem war sie als Schlichterin hoch angesehen. Sie stiftete auch das Spital Baden.
Das Kloster wurde unter ihr zu einem wirtschaftlichen und politischen Zentrum der habsburgischen Stammlande. Elf Habsburger ruhten hier 1770 – allen voran die Klosterstifterin, Königin Elisabeth von Görz und Tirol, sowie ihre Tochter Agnes von Ungarn, aber auch der 1386 bei Sempach im Kampf gegen die aufsässigen Eidgenossen gefallene Herzog Leopold III. von Habsburg. Leopold war ein Enkel der Klostergründerin Elisabeth. König Albrecht I. allerdings fand seine letzte Ruhe in der königlichen Ruhestätte in Speyer.
1415 eroberte Bern den grössten Teil des heutigen Kantons Aargau, dazu gehörte auch das Kloster Königsfelden. Im Jahr 1508 wurde das Kircheninnere renoviert und das Kloster 1528 im Zuge der Reformation aufgehoben. 1770 wurden die sterblichen Überreste der einst hier zur letzten Ruhe gebetteten Habsburger exhumiert und nach St. Blasien im Schwarzwald gebracht. 1808 traten sie nochmals eine Reise an – diesmal nach St. Paul im Lavanttal in Kärnten im heutigen Österreich. Ab 1777 nutzte Bern das Kirchenschiff als Kornhaus und die Klostergebäude wurden zum Asyl für Arme und Kranke.
Spuren der Habsburger heute
Beim Besuch der Klosterkirche fühlt man sich unversehens in die Zeit der Habsburger zurückversetzt – 70 Prozent der berühmten Glasfenster stammen nämlich noch aus dem 14. Jahrhundert. Es sind herausragende Werke der europäischen Glasmalerei des Spätmittelalters. Das Fenster in der Mitte des Chors (kurz vor 1330) beispielsweise zeigt fünf Szenen aus der Passion Christi, von denen noch vier erhalten sind, nämlich: Geisselung, Kreuzigung, Beweinung und Grablegung Christi. Das Fenster Menschwerdung Christi (kurz vor 1330) erzählt die Geschichte von Geburt und Jugend Christi. Das Klarafenster (um 1340) zeigt die Legende der heiligen Klara in ursprünglich fünf Bildern, von denen vier erhalten sind.
In der Klosterkirche erinnern das Kenotaph (Scheingrab) mit der darunter liegenden Gruft an die einstige Grabstätte.
An der Wand des nördlichen Seitenschiffs zeigt eine Tafel aus dem 17. Jahrhundert Herzog Leopold III. von Habsburg. Er wird flankiert von 27 Rittern, die mit ihm in der Schlacht von Sempach 1386 gegen die Eidgenossen gefallen waren. Leopold III. war der letzte in der Königsfelder Gruft bestattete Habsburger.