Kloster Wettingen und die Habsburger
Das Kloster Wettingen wurde 1227 von Freiherr Heinrich von Rapperswil gegründet, der Sage nach aus Dankbarkeit für eine Rettung während eines Kreuzzuges aus einem wilden Sturm auf dem Meer, auf der Rückfahrt aus dem Heiligen Land. In seiner Not betete er zu Maria und versprach, im Überlebensfall ein Kloster zu stiften. Da verhiess am Himmel ein heller Stern («Maria Stella» / «Stern des Meeres») Rettung. Das Land für den Klosterbau auf der Limmathalbinsel östlich von Baden kaufte der aus dem Kreuzzug Zurückgekehrte von Hartmann von Dillingen.
Die ersten zwölf Mönche, die unter Prior Konrad den Grundstein für das Zisterzienserkloster Wettingen legten und es aufbauten, kamen aus der Abtei Salem am Bodensee. 1256 wurde die Klosterkirche geweiht, 1294 nach baulichen Erneuerungen ein zweites Mal.
Nach dem Aussterben der Kyburger 1264 konnten sich die Habsburger deren Besitz sichern. Sie hatten bis 1415 die Schirmherrschaft über das Kloster.
Graf Rudolf IV. von Habsburg, ab 1273 der erste habsburgische römisch-deutsche König, galt als Freund und Gönner des Klosters. In der Klosterkirche wurde 1308 denn auch sein in Windisch ermordeter Sohn König Albrecht I. zur Ruhe gelegt. 1309 wurde Albrechts Leichnam nach Speyer überführt. 1314 fand Graf Rudolf III. von Habsburg-Laufenburg im Kloster Wettingen im selben Sarkophag seine letzte Ruhestätte.
1415 eroberte Bern den grössten Teil des heutigen Kantons Aargau, dazu gehörte auch das Kloster Wettingen. Die Berner übernahmen von den Habsburgern die Schirmherrschaft.
Im Alten Zürichkrieg kam es zu Zerstörungen und zum Wiederaufbau des Klosters. 1507 zerstörte ein Brand Teile der Anlage. Seine Blütezeit erlebte das Kloster unter Abt Peter Schmid im 17. Jahrhundert, als auch die Kirche umgebaut wurde.
1841 hob der Aargauer Grosse Rat die Klöster auf und die Mönche mussten binnen 48 Stunden weichen. 1854 fanden sie schliesslich in Mehrerau (Bregenz) eine neue Heimat.
Das Klostergebäude in Wettingen diente später als Lehrerseminar und ab 1976 der Kantonsschule Wettingen. Seit 2022 gehört es zum Museum Aargau.
Spuren der Habsburger heute
Kirche und Konvent Wettingen gelten als eine der besten erhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen in der Schweiz. Ihre Umfassungsmauern gehen im Wesentlichen auf die Gründungszeit im 13. Jahrhundert zurück, ebenso die Klosterkirche mit Langhaus, Querhaus, Presbyterium und Querhauskapellen, die Sakristei, der Kapitelsaal, der Speisesaal und der Wohntrakt der Mönche. Diese Räumlichkeiten und Gebäudeteile wurden später mehrfach umgebaut und erweitert. Im Mittelschiff der Klosterkirche befinden sich der Kyburger und der Habsburger Sarkophag, in letzteren wurde der ermordete König Albrecht I. gelegt. Im Kreuzgang des Klosters finden sich weitere Spuren der frühen Habsburger.