Schloss Hallwyl und die Habsburger
Das über 800 Jahre alte Schloss Hallwyl ist die einzige aargauische Burg, die seit ihrer Gründung demselben Geschlecht gehört. Die Familie überführte es 1925 in eine Stiftung und ist heute noch direkt mit dem Schloss verbunden: Der in Bayern lebende Graf Michael von Hallwyl, der das Schloss 1994 dem Kanton Aargau geschenkt hat, präsidiert den Stiftungsrat.
Doch zurück zu den Anfängen: Ende des 12. Jahrhunderts errichteten die Herren von Hallwyl am Aabach einen steinernen Turm. Ursprünglich waren sie wohl Freiherren und Gefolgsleute der Grafen von Lenzburg und dürften erst nach deren Aussterben 1173 in die Dienste von Otto von Staufen getreten sein, im frühen 13. Jahrhundert dann in den Dienst der Kyburger. Nach deren Aussterben 1263 schlug die Stunde der Habsburger. Unter ihnen prosperierte das Geschlecht von Hallwyl.
Im frühen 14. Jahrhundert baute Johann I. die Anlage zu einer zweiteiligen Wasserburg mit Ringmauer aus. Sie wurde zum Zentrum einer Adelsherrschaft über den Hallwilersee und über die Dörfer an seinem Nordende. Nach dessen Tod setzten seine Erben einen «Ganerbenvertrag» auf, der besagt, dass die Stammgüter in Familienbesitz bleiben müssen.
1415 leistete Rudolf III. von Hallwyl Widerstand gegen die Berner, die bei der Eroberung des Aargaus schon weit vorgedrungen waren. Daraufhin brannten die Berner die Burg ab. Rudolf baute sie wieder auf. Die Familie unterwarf sich schliesslich den Eroberern und rettete so ihren Familiensitz.
Hans von Hallwyl bekam das Burgrecht von Bern und Solothurn und machte sich in den Burgunderkriegen 1476/77 verdient, etwa in der Schlacht von Murten als Kommandeur der Berner Vorhut. Die Burg Hallwyl wurde im 16. Jahrhundert zum Schloss umgebaut. Im 19. Jahrhundert wagte der Schlossherr einen teuren historisierenden Schlossumbau, was mit seinem Konkurs endete. 1874 kaufte Walther von Hallwyl das Schloss, um den Stammsitz der Familie zu erhalten. Wilhelmina von Hallwyl liess das Schloss 1910 bis 1916 archäologisch untersuchen und sorgfältig restaurieren. Ein nächstes Mal wurde es 1997 bis 2004 gesamtsaniert.
Spuren der Habsburgerzeit heute
Der älteste Kern des Schlosses, der Wohnturm (Bergfried), geht auf das 12. Jahrhundert und gar früher zurück. Er war dreigeschossig mit einem Walmdach. 1810 wurde er bis auf das Erdgeschoss abgebrochen. Auf das 13. Jahrhundert geht die Burgmauer um den Bergfried, das «hintere Haus», zurück. Östlich des Wohnturms steht der Palas mit den ältesten Teilen von 1265. Er wurde später erweitert. Im Erdgeschoss des Palas hat man aus dem Inneren heraus wie durch ein Fenster einen Blick auf das Originalmauerwerk aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Originell ist ein Fernrohr in einem Fenster des Palas zum Schlosshof: Durch dieses ist eine Skizze der (im 18. Jahrhundert abgebrochenen) Burgkapelle aus dem 14. Jahrhundert zu sehen, projiziert exakt auf den Ort, an dem sie gestanden hat. Von der Kapelle sind allerdings nur Überreste von gotischen Spitzbogenfenstern geblieben. An die Eroberung durch die Berner erinnern rötliche Brandspuren direkt über dem Tor des Kornhauses (in dessen Erdgeschoss der Museumsshop ist). Und wer nicht weiss, woher der Ausdruck «ins Loch werfen» kommt, versteht dies nach einem Besuch des Verliesturms in der hinteren Burg: Hier wurden Delinquenten mit einem Seil ins Verlies (ins Loch) hinuntergelassen und warteten dort auf ihren Prozess.